Internationalisierung im deutschen Mittelstand

Seit vielen Jahren befragt die Commerzbank in ihrer Initiative Unternehmerperspektiven den deutschen Mittelstand nach Herausforderungen, Perspektiven und Trends. Im Mai 2019 wurde die aktuelle Studie vorgestellt, die sich dieses Jahr besonders dem Thema „Internationalisierung im deutschen Mittelstand“ widmete.

Anlässlich des China-Besuchs von Bundeskanzlerin Merkel Anfang September 2019 machte ein Zitat aus dieser Studie in einigen chinesischen Medien Schlagzeilen. „Laut deutschen Medienberichten ergab die Umfrage, dass 31% der deutschen KMU sich auf die Verlagerung ihrer Fabriken auf den chinesischen Markt vorbereiten.“, hieß es dort sinngemäß. Ohne Zweifel ist China weiterhin ein wichtiger Markt und Standort für den deutschen Mittelstand, wie wir aus unserer täglichen Arbeit bestätigen können. Aber diese Zahl machte uns stutzig – also schauten wir uns die Studie der Commerzbank, die viele interessante Fakten zur Bedeutung Chinas für den deutschen Mittelstand enthält, genauer an. Eine Zusammenfassung der China-Fakten aus den Unternehmerperspektiven 2019 finden Sie hier.

Absatzmärkte: 22% exportieren nach China 

China ist bereits ein wichtiger Absatzmarkt für den deutschen Mittelstand: 22% aller befragten Unternehmen exportieren nach China. Zum Vergleich: Nur etwas mehr als die Hälfte aller Befragten exportieren überhaupt. Mit anderen Worten: ca. 42% aller exportierenden Unternehmen haben sich bereits China als Absatzmarkt erschlossen.

 

 

 

Bewegte Zeiten: Profitieren durch den Handelskonflikt?

Die Befragung der Commerzbank stellt insgesamt eine geringere Planungssicherheit für Unternehmen fest – dies sehen 64% aller befragten Unternehmen so. Nur wenige Unternehmen allerdings gehen davon aus, dass sie von den Verschiebungen, die sich z.B. durch den Handelskonflikte ergeben, profitieren können. Nur 20% erwarten positive Effekte für deutsche Unternehmen durch Handelskonflikte wie den zwischen China und den USA.

 

Rahmenbedingungen: In China besser als in den USA

Die befragten Mittelständler wurden auch gebeten, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgewählter Länder zu bewerten. China wird hier als verlässlicher Partner der deutschen Unternehmer bewertet, zwei Drittel bewerten die Rahmenbedingungen als mindestens befriedigend oder sogar gut bis sehr gut. Bemerkenswert: China schneidet in dieser Frage deutlich besser ab als z.B. die USA oder Großbritannien.

Auch diese Einschätzung durch die Befragten der Studie löste ein breites Medienecho in China aus: Viele chinesische Medien berichteten, dass China als verlässlicher bewertet werde als die USA und Großbritannien.

Strategien: China als neuer Absatzmarkt und Standort

Wenn exportierende Unternehmen nach ihren Plänen befragt werden, taucht immer wieder China in den Planungen auf: Einerseits als einer der neuen Absatzmärkte, die deutsche Exporteure sich erschließen wollen. Zwölf Prozent der Befragten planen, zukünftig auch in China ihre Produkte oder Dienstleistungen zu vertreiben – ähnlich häufig (mit 12-14%) werden an dieser Stelle auch Indien, USA, Polen, Frankreich und Afrika genannt.

Sehr viel eindeutiger ist das Bild, wenn nach der Verlagerung von Auslandsstandorten gefragt wird. 31% aller Unternehmen mit Auslandsstandorten, die über eine Verlagerung nachdenken oder konkret planen, wollen nach China. Allerdings sind es nicht 31% aller deutschen Mittelständler insgesamt, die eine Verlagerung nach China planen, wie die chinesischen Schlagzeilen nahelegten. Tatsächlich überlegt nur eine kleine Zahl der befragten mittelständischen Unternehmer derzeit, Standorte zu verlegen (nur 119 der insgesamt 2000 für die Studie Befragten). Dennoch spricht es für Chinas Attraktivität als Wirtschaftsstandort für deutsche KMUs, dass von denjenigen, die über eine Verlagerung nachdenken, mit Abstand die meisten nach China gehen wollen.

Politik gefragt: 80% wünschen sich mehr Einsatz für bessere Beziehungen zu China

Die letzte Frage der aktuellen Studie schlägt wieder einen Bogen zum aktuellen Besuch der Bundeskanzlerin und der deutschen Wirtschaftsdelegation Anfang September in China. Gute Wirtschaftsbeziehungen zu China gehören zu den Anliegen, für die sich der Mittelstand Unterstützung durch die Politik wünscht. 80% erwarten, dass die Politik sich stärker dafür einsetzen soll. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass nicht nur Großunternehmen sondern auch mittelständische Unternehmen von Delegationsreisen nach China wie dieser in der vergangenen Woche profitieren.

Die Studie

Für die repräsentative Studie der Commerzbank wurden 2000 mittelständische Unternehmen ab 2 Mio. € Jahresumsatz telefonisch befragt. Dabei wurde auf eine ausgewogene Verteilung nach Bundesländern sowie Branchen geachtet, so daß repräsentative Ergebnisse auch für einzelne Branchen und Regionen verfügbar sind. Alle Abbildungen sind aus der Studie der Commerzbank übernommen.

Die Studie und alle Teilstudien finden Sie hier.

 

Annette Heile – Business Development Manager

Annette Heile pictureAnnette Heile ist Managerin in unserem Business Development und Marketing Team. Seit zwölf Jahren lebt und arbeitet sie in Asien. Annette arbeitet mit Kunden und Partnern zusammen, organisiert Veranstaltungen und informiert Kunden, Partner und Interessenten über die neuesten Entwicklungen in China, die für unsere Servicebereiche relevant sind.

Kontakt: annette.heile@ecovis-beijing.com


Über ECOVIS Beijing

Ecovis Beijing ist Vertrauenspartner vieler Botschaften und Handelskammern in Peking. Wir sind spezialisiert auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen und fokussiert auf Steuer- und Rechtsberatung, Buchhaltung und Wirtschaftsprüfung.

Mit unserem monatlichen Newsletter informieren wir Sie gerne über neu erschienene Artikel und aktuelle Veranstaltungen. Sie haben eine Frage an uns? Wir finden schnell den richtigen Ansprechpartner, der Ihnen weiterhelfen kann. Rufen Sie uns an (+86-10-65616609) oder schreiben Sie uns eine E-Mail an service@ecovis-beijing.com.