Umsatzsteuer in China Teil 1

Umsatzsteuer in China

Viele westliche Umsatzsteuer-Systeme ähneln dem chinesischen System stark. Wer das Thema in Deutschland beherrscht liegt deshalb auch in China oft richtig. In beiden Fällen wird die Umsatzsteuer auf verkaufte Produkte oder Dienstleistungen erhoben. In westlichen Ländern wird eine Rechnung mit der Umsatzsteuer ausgegeben, in China ein so genanntes Fapiao. Um bezahlte Umsatzsteuer steuerlich absetzen zu können, braucht man für alle in China getätigte Ausgaben dieses Fapiao. Im Ausland ausgestellte Rechnungen, welche die Umsatzsteuer ausweisen, werden von der chinesischen Regierung aber auch akzeptiert.

Ein großer Unterschied im Vergleich zu den westlichen Steuersystemen ist der so genannte „Normalsteuerzahler“- und der reduzierte „Kleinsteuerzahler“ Status. Der „Small-Scale Tax Payer“ kann die Input Umsatzsteuer steuerlich nicht von der Output Umsatzsteuer absetzen. Hier wird der zu zahlende Umsatzsteuer Betrag einfach auf Basis des Umsatzes berechnet. Allerdings wird dieser Nachteil durch einen deutlich geringeren Umsatzsteuer-Satz von nur 3 % ausgeglichen. „General Tax Payer“ dagegen können Fapiaos ausstellen und Input Umsatzsteuer absetzen.

Technisch gesehen ist ein Fapiao mit einer westlichen Rechnung identisch. Beide weisen direkt die Output Umsatzsteuer aus. Der Unterschied besteht in der starken Kontrolle bei der Beschaffung einer Lizenz um Fapiaos ausstellen zu dürfen. Dies ist eine der Vorrausetzungen, wenn man den „Normalsteuerzahler“ Status erlangen möchte. Je nachdem, ob das Geschäftsfeld im Handel oder in der Produktions- und Dienstleistungs-Branche liegt, ist es ebenfalls Voraussetzung einen Umsatz höher als 800.000 bzw 500.000 RMB zu generieren. Der Anschaffungsprozess ist sehr zeitaufwendig, da in der Folge eine Fapiao Maschine direkt bei der Regierung beantragt werden muss. Bei allen Fapiaos, welche die Firma beim Kauf von Produkten oder Dienstleistungen in China erhalten hat, kann dann die Input Umsatzsteuer von der Output Umsatzsteuer, welche beim Verkauf von Produkten und Dienstleistungen entsteht, abgezogen werden. In Deutschland ist dies ebenso der Fall. Die Betriebsausgaben auf welche Umsatzsteuer bezahlt wurde können auch hier von der Umsatzsteuer von verkauften Produkten abgezogen werden.

In China liegt die normale Umsatzsteuerrate für Produkte bei 17 %. Dienstleistungen werden mit 6 % besteuert. Darüber hinaus gibt es auch einige spezielle Produkte, welche mit 15 % besteuert werden. Andere Produkte wie antike Bücher, landwirtschaftliche Güter und Produkte für Behinderte sind unter bestimmten Umständen steuerbefreit. Es wird stark dazu geraten Ihren Steuerfachmann zu konsultieren, um den genauen Steuersatz in Erfahrung zu bringen.

Was kann alles steuerlich abgesetzt werden?

Auch bei der Frage was alles steuerlich abgesetzt werden kann gibt es zwischen dem westlichen und dem chinesischen Steuersystem starke Ähnlichkeiten. Abgesetzt werden können alle Aufwendungen, welche direkt mit der Beschaffung der Einnahmen in Verbindung stehen.

Beispiele hierfür sind:

  • Wareneinkauf
  • Personalkosten (ACHTUNG: Geld, welches an die Gesellschafter fließt ist kein Gehalt, sondern eine Entnahme)
  • Raumkosten (Miete + Nebenkosten)
  • Versicherungen/Beiträge
  • Kfz-Kosten (Steuern, Versicherung, Kraftstoff, Reperatur)
  • Reisekosten (Übernachtung, Verpflegungsmehraufwand)
  • Werbekosten
  • Abschreibungen
  • Sonstiges: Porto, Telefon, Büromaterial, Fachliteratur, Kosten für Anwalt/Steuerberter, Kontoführung, Betriefsbedarf

Nicht abgesetzt werden können Aufwendungen, welche als Ziel nicht die Erzeugung von Einnahmen haben.

Beispiele hierfür sind:

  • Interne Geschenke an Mitarbeiter
  • Mitarbeiterausflüge
  • Kunden Geschenke
  • Materialien welche nicht in das fertige Endprodukt miteinfließen

Umsatzsteuer Aufschläge

Zusätzlich zur abzuführenden Umsatzsteuer sind in China Umsatzsteuer-Zuschläge welche auf dem abzuführenden Umsatzsteuer-Betrag basieren zu entrichten. Im deutschen Steuer System, sind solcherlei Zuschläge nicht vorgesehen. Anders als die Umsatzsteuer müssen diese Zuschläge allerdings nicht bei den staatlichen, sondern bei den lokalen Steuerbehörden bezahlt werden. Die Zuschläge können von Stadt zu Stadt stark variieren. In Tianjin beispielsweise wird ein Überflutungsrisiko- Zuschlag fällig, welcher sonst nirgendwo anfällt.

Die Umsatzsteuerzuschläge für Beijing betragen:

  • 7 % Städtischer Bauzuschlag
  • 3 % Bildungszuschlag
  • 2 % Lokaler Bildungszuschlag

Lesen Sie auch unsere Artikel Umsatzsteuer in China Teil 2, 3 und 4 aus unserer „Umsatzsteuer in China“ Artikel Serie.

 

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 Grace 150x225   Grace Shi

Grace Shi ist Partner bei ECOVIS Beiing China und hat über 15 Jahre Berufserfahrung in der Wirtschaftsprüfung, Buchführung und Steuerberatung. Sie hat einen International MBA und einen US Global Fincance Master erworben. Seit 2002 ist sie in China als Steuerberaterin (Certified Taxation Agent – CTA) zugelassen. Vor ihrer Tätigkeit bei ECOVIS hat sie als Führungskraft in einem führenden internationalen Unternehmen in Peking gearbeitet und war als Chief Financial Officer (CFO) einer lokalen chinesischen Firma mit über 1000 Mitarbeitern tätig. Sie spricht  fließend Englisch und Chinesisch. Bitte zögern Sie nicht Grace Shi zu kontaktieren, um weitere Informationen zu erhalten: grace.shi@ecovis-beijing.com.

 

 

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