Chinas Sozialversicherungssystem und wie es funktioniert

Das chinesische Rechtssystem ist auf mehrere Ebenen aufgeteilt. Während die Zentralregierung in der Regel Rahmengesetze verabschiedet, werden die Einzelheiten von lokalen Behörden und Verwaltungen festgelegt. Dies trifft auch auf Chinas Sozialversicherungsgesetz zu.

Zum Beispiel ändern sich die Versicherungsleistungen und Beitragssätze für Arbeitgeber und -nehmer je nach lokalen Rechtsstand und unterliegen zudem jährlichen Änderungen und Reformen. Beiträge zu Chinas Sozialversicherungssystem sind nicht nur für Chinesen verbindlich, sondern seit 2011 auch für alle in China angestellten Ausländer.

Ausländer, welche aus Ländern stammen, die bereits Sozialversicherungsabkommen mit China haben sind eventuell von einigen Beiträgen befreit. Diese Abkommen sollen verhindern, dass Sozialversicherungsbeiträge auf das gleiche Einkommen in zwei Ländern separat abgeführt werden müssen. Zurzeit hat China Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland, Südkorea, Dänemark, Finnland, Kanada und der Schweiz.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind dazu verpflichtet monatliche Beiträge für die Rentenversicherung, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Außerdem müssen Arbeitgeber ebenfalls für die Mutterschafts- und Betriebsunfallversicherung Beiträge zahlen. Wie bereits erwähnt variieren die Beitragsraten und Obergrenzen von Provinz zu Provinz.

Selbstständige und Teilzeitkräfte, welche durch ihre Arbeitgeber nicht Teil des Sozialversicherungsplans sind, sowie Arbeitssuchende können nur auf freiwilliger Basis Renten- und Krankenversicherungen abschließen.

 

Peking Arbeitgeberanteil Arbeitnehmeranteil
Ausgangsbetrag zur Berechnung der monatlichen Beiträge 2016 (Peking) 23118   
Rentenversicherung 19,0% 4392.42 8% 1849.44
Krankenversicherung 10,0% 1938.90 2% (+3 RMB) 465.36
Arbeitslosenversicherung 1,0% 193.89
Betriebsunfallversicherung 0,4% 96.95
Mutterschaftsversicherung 0,8% 155.11
max. monatlicher Beitrag 32,3% 7166.57 10.20% 2361.04

Sozialversicherungsbeitragskosten in Peking, in RMB 

Sozialversicherungsbeitragskosten in Peking

Im Folgenden haben wir die Sozialversicherungsbeitragskosten in Peking für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem Beispiel kalkuliert. Wie bereits erwähnt, werden die Beiträge auf Basis des Einkommens des Arbeitnehmers berechnet. Dabei gilt jedoch ein Maximalbetrag in Höhe des dreifachen Durschnittgehaltes des Vorjahres.

In Peking liegt der derzeitige Beitrag zur Sozialversicherung des Arbeitnehmers bei ca. 10,2%, während der Beitrag des Arbeitgebers bei ca. 33% des Nettogehaltes liegt. Arbeitgeber sind dazu verpflichtet den monatlichen Betrag für den Arbeitnehmer einzubehalten und genügend Rücklagen zu haben, um die monatlichen Beiträge für den Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen zu können. Die Zahlungen werden in den lokalen Sozialversicherungsbüros abgerechnet, wobei die monatlichen Beitragshöhen und Zahlungsmethoden von der lokalen Rechtslage abhängig sind. Zum Beispiel können die Beiträge durch einen Bankeinzug von dem Arbeitgeberkonto oder durch den monatlichen Einkommenssteuerausgleich gezahlt werden.

Jede Sozialversicherung birgt ihre eigenen Vorteile, Konditionen und Nachteile  für Ausländer. Welche genau das sind, werden wir  im nächsten Abschnitt erläutern:

Rentenversicherung

Grundsätzlich muss der Arbeitnehmer mindestens 15 Jahre lang einen Beitrag in die chinesische Rentenkasse geleistet haben, um den Anspruch auf eine Rente in der Volksrepublik zu erhalten. Das Eintrittsalter unterscheidet sich in bestimmten Industrien, liegt aber meistens bei 55 Jahren für Männer und 50 Jahren für Frauen (für gewerbliche Arbeiter), oder bei 60 Jahren für Männer und 55 Jahren für Frauen (für Büroangestellte).

Die Höhe der Altersversorgung ist abhängig von den lokalen Regelungen. Zu erwarten ist allerdings, dass sich, in der Anbetracht der Folgen der Ein-Kind-Politik und der wachsenden Lebenserwartung das Renteneintrittsalter in nächster Zeit ändern wird.

Verlässt ein Ausländer China vor dem festgesetzten Renteneintrittsalter, wird das zugehörige Konto beibehalten. Sollte das Individuum nach einiger Zeit für eine weitere Tätigkeit nach China zurückkehren, wird die Zahlungsperiode auf kumulativer Basis fortgesetzt. Durch eine schriftliche Anfrage, kann das zuständige Sozialversicherungsbüro den Betrag des individuellen Kontos einmalig auszahlen und beendet somit das Recht auf die Grundrente. Die Bedingung hierfür ist, dass der Arbeitnehmer beabsichtigt China zu verlassen. Nach dem Tod eines Individuums ist es möglich den verbleibenden Betrag des Kontos zu vererben. 

Krankenversicherung

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind beide dazu verpflichtet, monatliche Beiträge für die Krankenversicherung zu zahlen. Die lokalen Krankenkassen erstatten, oberhalb es bestimmten Betrages, die Behandlungskosten direkt die Krankenhäuser. Ausgaben unterhalb dieses Limits können bei der Krankenkasse mittelbar erstattet werden.

Achtung: Die Krankenversicherung übernimmt nur die Kosten in staatlichen Krankenhäusern und Kliniken (dies schließt internationale und private Kliniken aus).

Arbeitslosenversicherung

Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, monatlich in einen Arbeitslosenfond einzuzahlen. Arbeitnehmer hingegen sind nur in einigen Regionen aufgrund bestimmter lokaler Regelungen verpflichtet, monatlich zu zahlen. Allerdings gibt es keine Arbeitslosenversicherung für Ausländer in China. Sollte ein Ausländer nicht länger berufstätig sein, ist es ihm nicht gestattet, weiterhin in China zu leben.

Betriebsunfallversicherung

Nur der Arbeitgeber ist verpflichtet, monatliche Beiträge für die Betriebsunfallversicherung zu zahlen. Die angeforderten Beiträge sind je nach Industrie variabel. Die Versicherung deckt normalerweise alle arbeitsbezogenen Verletzungen und Berufskrankheiten ab. Der Betriebsunfallversicherungsfond übernimmt dabei die Gesamtkosten für die Behandlung. Der Arbeitgeber ist ebenfalls verpflichtet, im Falle einer Verletzung dem Angestellten weiterhin Gehalt zu zahlen.

Allerdings entspricht dies nicht der vollen Höhe des Einkommens. Sollte der Arbeitgeber die notwendigen Beiträge nicht gezahlt haben, kann der Arbeitnehmer dennoch eine medizinische Behandlung in Anspruch nehmen, welche durch den Versicherungsfonds gedeckt wird. Der zuständige Fonds ist in dem Fall berechtigt und verpflichtet diese Kosten vom Arbeitgeber einzufordern.

Mutterschaftsversicherung

Genau wie bei der Betriebsunfallversicherung ist nur der Arbeitgeber verpflichtet monatliche Beiträge für die Mutterschaftsversicherung zu zahlen. Die monatlichen Zahlungen an Frauen, welche sich in ihrem Mutterschaftsurlaub befinden, werden auf Basis des Durschnittgehalts aller im zugehörigen Unternehmen arbeiteten Frauen berechnet. Dies bedeutet, dass eine Frau, dessen Gehalt unter dem Durschnitt liegt, während ihres Mutterschaftsurlaubes ein höheres Gehalt bekommen könnte.

Um die Leistung zu erhalten, muss der Arbeitgeber mindestens 3 Monate die Versicherungsbeiträge gezahlt haben. ebenso muss die medizinische Behandlung in Übereinstimmung mit Chinas Geburtenregelung sein. Unter bestimmten Umständen ist es auch männlichen Angestellten gestattet, die Leistung zu beziehen.

Wir hoffen dieser Artikel konnte Ihnen einen zusammenfassenden Überblick über Chinas Sozialversicherungssystem geben. Bei weiteren Fragen zögern Sie nicht sich an uns zu wenden und uns zu kontaktieren. 

Bei Fragen wenden Sie sich jederzeit gerne an unsere Business Development Team Managerin Manuela Reintgen unter manuela.reintgen@ecovis-beijing.com.

 

 Manuela 150x225   Manuela Reintgen

Manuela Reintgen leitet das Business Development Department für ECOVIS Beijing. Sie lebt und arbeitet seit 2009 in China und hat Jura, Chinesisch und Französisch studiert. Vor ihrer Tätigkeit bei ECOVIS Beijing, arbeitete Frau Reintgen sowohl in Deutschland als auch in China für diverse private und staatliche Organisationen, unter anderem als Business Development Manager des German Centre Beijing. Sie ist spezialisiert auf ausländische Direktinvestitionen in China und berät seit vielen Jahren Unternehmen in allen Aspekten der Firmengründung und der Firmenführung in China. Frau Reintgen ist in Rechts- und Steuerfragen versiert und kennt die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die auf kleine und mittelständische Unternehmen beim Markteintritt China zukommen, sowie die Compliance-Anforderungen, welche seitens des Mutterunternehmens hiermit einhergehen. Frau Reintgen betreut für ECOVIS Beijing als deutschsprachige Beraterin insbesondere Mittelständler aus dem deutschsprachigen Raum bei ihren geschäftlichen Aktivitäten in China. Bitte zögern Sie nicht Manuela Reintgen zu kontaktieren: manuela.reintgen@ecovis-beijing.com

 

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