Welche Folgen hat das neue Punktesystem für eine chinesische Arbeitserlaubnis?

Am 9. September 2016 veröffentlichte die Administration of Foreign Experts Affairs die Reform der Anmeldeprozedur für eine Arbeitserlaubnis in China. Die Änderungen vereinen die verschiedenen Regularien für ausländische Spezialisten mit den Antragsvorschriften für gewöhnliche Ausländer. Die Reform ersetzt das bestehende Büchlein für Arbeitserlaubnisse durch eine ID-Card ähnlich zu jener, die für Chinesen bereits existiert. Zudem wird ein Benotungssystem eingeführt, welches ausländische Arbeitnehmer auf Basis ihrer Erfahrungen und Fähigkeiten einstuft.

Auch wenn die staatlichen Medien überwiegend auf die Vorteile der neuen ID-Card verweisen, wie beispielsweise die Möglichkeit Zugtickets selbst ausdrucken zu können, ohne wie bisher am Schalter warten zu müssen, sind die in China dauerhaft lebenden Ausländer eher über das angekündigte Benotungssystem besorgt.

Den Reformplänen zufolge, welche ab Oktober 2016 in Peking, Tianjin und Shanghai, Hebei, Anhui, Shandong, Guangdong, Sichuan und der autonomen Hui Region Ningxia getestet bevor sie im April 2017 landesweit eingeführt werden, sollen Ausländer, die eine chinesische Arbeitserlaubnis beantragen, in ein Dreistufiges-Punktesystem eingeordnet werden.

Auch wenn viele der spezifischen Anforderungen erst noch bestimmt werden müssen, dient ein kürzlich von der Shanghaier Regierung veröffentlichtes Rundschreiben (nur auf Chinesisch verfügbar) als erster Indikator für die anstehenden Neuerungen.

A, B, oder C – Die drei Kategorien

Level A (>85 Punkte): Diese Kategorie trifft hauptsächlich auf Top-Talente aus bestimmten Industrien und der höheren Bildung zu.

Im Einzelnen müssen folgende Qualifikationen vorhanden sein:

  • Gewinner anerkannter Auszeichnungen in den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Unterhaltung oder Sport
  • Führungskräfte aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Unterhaltung oder Sport
  • Unternehmerisches und/oder innovatives Talent
  • Junges, herausragendes Talent mit einem Abschluss von einer Universität, die weltweit zu den Top 200 gehört
  • Frühere Top-Management-Position in einem Top 500 Unternehmen 

Level B (60-85 Punkte): Diese Kategorie betrifft die meisten Berufstätigen, die derzeit bereits im Besitz einer chinesischen Arbeitserlaubnis unter den aktuellen Regularien sind:

  • Inhaber eines Bachelor-Abschlusses (oder höher) und mind. zwei Jahre relevante Berufserfahrung
  • Berufserfahrung in bestimmten ausländischen Organisationen
  • Inhaber eines Master-Abschlusses von einer Top 100 Universität
  • Herausragende Absolventen mit Master-Abschluss (oder höher) von einer chinesischen Universität
  • Ausländische Sprachlehrer, die in ihrer Muttersprache unterrichten und mind. einen Bachelor-Abschluss aus einem Land haben, in dem diese Sprache Amtssprache ist und zwei Jahre Berufserfahrung im Bildungssektor (Berufserfahrung nicht zwingend erforderlich für Lehrer, die einen Abschluss in ihrer Muttersprache haben (z.B. Germanistik) oder im Fachbereich Bildung)

Die Zahl von Level B Arbeitserlaubnissenkann zudem Gegenstand von Restriktionen und Beschränkungen durch Lokalregierungen sein.

Level C (<60 Punkte): Diese Kategorie betrifft alle, die nicht mindestens 60 Punkte erhalten haben und nicht für die Kategorien A oder B qualifiziert sind.

Wie erreicht man die nötige Punktzahl?

Auch wenn die endgültigen Kriterien durch die Lokalregierungen erst noch festgelegt werden, sind nach derzeitigem Stand zumindest diese sechs Faktoren wichtig:

  • Beherrschung der chinesischen Sprache
  • Abschluss von einer internationalen Top-Universität oder chinesischen Universität
  • Alter
  • Gehalt
  • Berufserfahrung
  • Arbeitsort in China (Level 3 Städte werden höher bewertet als eine Level 1 Megapolis)

Einschätzung von ECOVIS Beijing

Den bereits veröffentlichten Informationen zufolge werden die wichtigsten Veränderungen eher den Bewilligungsprozess als die Voraussetzungen betreffen. Seit der Reform der Visa-Regularien im Jahr 2013 müssen Ausländer mindestens einen Bachelor-Abschluss haben, älter als 24 Jahre sein und zwei Jahre relevante Berufserfahrung vorweisen können, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Wer diese Anforderungen erfüllt, würde demnach mindestens mit Level B eingestuft werden. Die verschiedenen, bereits bestehenden Visa-Regularien für Top-Talente werden nun unter Level A zusammengefasst.

Das neue Punktesystem wird demnach also eher neue Möglichkeiten für den Erhalt einer Arbeitserlaubnis bieten. Somit werden zum Beispiel die Chancen für Absolventen von chinesischen Universitäten oder jene mit sehr guten chinesischen Sprachkenntnissen erhöht. Dies setzt somit lediglich Bestimmungen, die in Shanghai seit 2015 bereits in Kraft sind, auf nationaler Ebene um.

Angesichts der unpräzisen Formulierungen, besonders bei Restriktionen und Beschränkungen, ist es noch zu früh, um genaue Prognosen bezüglich der Auswirkungen auf die Verteilung von Arbeitserlaubnissen zu machen. ECOVIS Beijing rät deshalb dazu, Meldungen und Regularien Ihrer jeweiligen Lokalregierung zu verfolgen und Ihren Rechtsberater bezüglich weiterer Details zu konsultieren. 

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 Manuela 150x225   Manuela Reintgen

Manuela Reintgen leitet das Business Development Department für ECOVIS Beijing. Sie lebt und arbeitet seit 2009 in China und hat Jura, Chinesisch und Französisch studiert. Vor ihrer Tätigkeit bei ECOVIS Beijing, arbeitete Frau Reintgen sowohl in Deutschland als auch in China für diverse private und staatliche Organisationen, unter anderem als Business Development Manager des German Centre Beijing. Sie ist spezialisiert auf ausländische Direktinvestitionen in China und berät seit vielen Jahren Unternehmen in allen Aspekten der Firmengründung und der Firmenführung in China. Frau Reintgen ist in Rechts- und Steuerfragen versiert und kennt die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die auf kleine und mittelständische Unternehmen beim Markteintritt China zukommen, sowie die Compliance-Anforderungen, welche seitens des Mutterunternehmens hiermit einhergehen. Frau Reintgen betreut für ECOVIS Beijing als deutschsprachige Beraterin insbesondere Mittelständler aus dem deutschsprachigen Raum bei ihren geschäftlichen Aktivitäten in China. Bitte zögern Sie nicht Manuela Reintgen zu kontaktieren: manuela.reintgen@ecovis-beijing.com

 

 

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