Umsatzsteuer in China Teil 3

Geschäftssteuer und Umsatzsteuer in China

Die Umsatzsteuerreform in China – Veränderungen seit dem 1. August 2013

 

Chinas Umsatzsteuerreform wird seit August 2013 landesweit umgesetzt. Auf Dienstleistungen im Transportsektor und im sogenannten „modernen“ Dienstleistungssektor wird nun keine Geschäftssteuer (Business Tax – BT) mehr erhoben, sondern eine  vorsteuerabzugsfähige  Umsatzsteuer (Value Added Tax – VAT).

                    

Was ist die Umsatzsteuerreform?

 

Bislang galt in China eine Art zweistufiges Steuersystem, bestehend aus einer Geschäftssteuer und einer Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer wurde dabei hauptsächlich auf den Verkauf von Gütern erhoben und die Geschäftssteuer auf das Erbringen von Dienstleistungen. Da bei der Geschäftssteuer im Gegensatz zur Umsatzsteuer keine Vorsteuer abgezogen werden konnte, entstand in der Wertschöpfungskette der Unternehmen Doppelbesteuerung.

 

Dieser Problematik nahm sich die chinesische Regierung im Rahmen ihres 12. Fünfjahresplans durch eine Umsatzsteuerreform in bestimmten Sektoren an, welche 2012 mit einem Pilotprojekt in Shanghai begann. Dieses Projekt wurde mit der Zeit auf Peking und weitere Regionen ausgeweitet. Ziel war es, eine landesweite Reform einzuführen, bei der die Geschäftssteuer auf Dienstleistungen vollständig durch die vorsteuerabzugsfähige Umsatzsteuer ersetzt wird. Eine solche Erweiterung der Umsatzsteuerreform auf ganz China gibt es nun seit dem 1. August 2013.

 

Wie ist die aktuelle Lage?

 

Die Tabelle 1 zeigt alle zurzeit anzuwendenden Geschäftssteuersätze. In naher Zukunft ist geplant die Reform auf den Immobilien-, Finanz-, und Versicherungssektor auszuweiten.

 

Zudem gibt es eine Reihe weiterer Dienstleistungen welche entweder mit einer Umsatzsteuer von 0% besteuert werden oder von der Umsatzsteuer befreit sind. Obwohl de facto natürlich in beiden Fällen keine Umsatzsteuer gezahlt werden muss, ist für Dienstleistungen auf die ein Umsatzsteuersatz von 0% anfällt weiterhin der Vorsteuerabzug möglich, für umsatzsteuerbefreite Dienstleistungen jedoch nicht. Das bedeutet, dass bei mit 0% besteuerten Dienstleistungen alle vorher bezahlten Umsatzsteuern steuerlich absetzbar sind und im nächsten Monat erstattet werden. Dies ist häufig der Fall wenn die Regierung bestimmte Dienstleistungen substituieren will. Falls die Dienstleistung umsatzsteuerbefreit ist, ist die bis dato aufgewendete Umsatzsteuer nicht steuerlich absetzbar. Umsatzsteuer von 0% fällt zum Beispiel auf internationale Transportdienstleistungen und Forschungs- und Entwicklungsleistungen für ausländische Rechtspersonen an. Von der Umsatzsteuer befreit ist unter anderem der Export von bestimmten Dienstleistungen. 

 

Tabelle 1

 

 

Geschäftssteuer auf Dienstleistungen    

 

Steuersatz

 

Bauwesen, Kultur und Sport            

3%

 

Finanzen und Versicherungen, Dienstleistungen außer diejenigen auf welche Umsatzsteuer erhoben wird. Transfer von immateriellem Kapital, Verkauf von Immobilien

5%

 

Unterhaltung

5-20%

 

 

 

Im Zuge der Reform muss außerdem zwischen Unternehmen, welche Normalsteuerzahler und solchen, die Kleinststeuerzahler sind unterschieden werden. Nur Normalsteuerzahler sind zum Vorsteuerabzug berechtigt. Auf Kleinststeuerzahler trifft dies nicht zu, dafür müssen die erbrachten Dienstleistungen hier nur pauschal  mit 3% Umsatzsteuer versteuert werden, unabhängig von der Art der Dienstleistung.

Tabelle 2

 

 

Umsatzsteuer auf Dienstleistungen

 

Normalsteuerzahler

 

Kleinsteuerzahler

Leasing von beweglichen Gegenständen

17%

3%

Internationaler Transport (zu Land, Wasser, Luft und per Pipeline)

11%

3%

Post

11%

3%

Forschung und Entwicklung sowie technische Dienstleistungen

6%

3%

Telekommunikation

11%

3%

Begünstigte Kommunikation

6%

3%

Medien, Kultur und kreative Dienstleistungen

6%

3%

Logistik und unterstützende Dienstleistungen

6%

3%

IT Dienstleistungen

6%

3%

Beratende Dienstleistungen

6%

3%

 

Beispiele

 

Die nachfolgenden Beispiele sollen die Auswirkungen der Steuerreform für unterschiedliche Dienstleistungsanbieter und -Empfänger illustrieren.

 

Fall 1:

 

Ein als Normalsteuerzahler registriertes Unternehmen erbringt eine zu versteuernde Transportdienstleistung. Der Kunde hat ebenfalls den Status eines Normalsteuerzahlers.

 

VAT-Reform DE1

 

Die Steuerbelastung für beide Unternehmen ist nun geringer, da Normalsteuerzahler A und B zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Die 11% Umsatzsteuer werden somit an den Endkunden weitergeleitet. Vor der Reform wurden Transportdienstleistungen mit  einem Geschäftssteuersatz von 5% anstelle von Umsatzsteuer besteuert. Allerdings konnte diese nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden.

Fall 2:

 

Ein als Normalsteuerzahler registriertes Unternehmen erbringt eine zu versteuernde IT Dienstleistung für einen als Kleinsteuerzahler klassifizierten Dienstleistungsempfänger.

 

VAT-Reform DE2

 

Die vorsteuerabzugsfähige Umsatzsteuer von 6% führt auf Seiten des Normalsteuerzahlers zu Kosteneinsparungen. Allerdings hat die Steuerbelastung für Dienstleistungsempfänger B in diesem Fall zugenommen. Vor der Reform wurden IT- Dienstleistungen mit einem Geschäftssteuersatz von 5% besteuert. Die nun anfallende Umsatzsteuer von 6% kann lediglich von Dienstleistungserbringer A vorsteuerlich geltend gemacht werden. Da Kleinststeuerzahler B nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, müssen die gesamten 6% der IT-Dienstleistung als Umsatzsteuer abgeführt werden. Daraus ergibt sich eine Mehrbelastung für B von einem Prozentpunkt (verglichen mit der vorherigen Geschäftsteuer von 5%).

Fall 3:

Eine chinesische Firma erbringt eine internationale Logistikdienstleistung. Der Kunde ist ein ausländisches Unternehmen.

VAT-Reform DE3

Nach der neuesten Gesetzeslage unterliegen internationale Logistikdienstleistungen einem Umsatzsteuersatz von 0%, sofern dies vorher bei den staatlichen Steuerbehörden beantragt wurde. Im Moment sind die Genehmigungsverfahren sehr intransparent und mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden. Daher haben sich viele Unternehmen, welche Logistikdienstleistungen erbringen, dazu entschieden die Steuerlast stattdessen auf ihre Kunden zu verschieben.

Auch wenn die Beantragung für die 0% Umsatzsteuer theoretisch möglich ist, wird aus den oben genannten Gründen die Umsatzsteuerreduktion häufig nicht in Anspruch genommen. Internationale Logistikdienstleistungen werden somit oft mit einem Umsatzsteuersatz von 6% (entspricht dem Umsatzsteuersatz für inländisch erbrachte Logistikdienstleistungen) belastet.

In diesem Fall kann A die Umsatzsteuer vorsteuerlich geltend machen. Das ausländische Unternehmen ist dagegen zumindest zum jetzigen Zeitpunkt häufig einer Kostenbelastung von 6% ausgesetzt.

In der Zukunft sind jedoch praktischere Lösungen geplant, so dass auch in der Praxis die Beantragung der Umsatzsteuer von 0% von den Unternehmen angenommen wird.

Ausblick

 

Insgesamt stellt die Mehrwertsteuerreform durch die Einführung der Möglichkeit eines Vorsteuerabzugs auch bei Dienstleistungen für Unternehmen eine Chance dar ihre Steuerlast zu reduzieren. Die Reform und ihre Auswirkungen werden auch in Zukunft nicht an Bedeutung verlieren, da sie im Laufe der Zeit auf weitere Sektoren ausgeweitet wird.

Aufgrund der Komplexität der Reform wird beiden, produzierenden Unternehmen sowie Dienstleistern empfohlen mit einem fachkundigem Rechts- und Steuerberater wie ECOVIS Beijing Kontakt aufzunehmen, da es oftmals schwierig zu bestimmen ist ob Umsatzsteuer oder Geschäftssteuer zu bezahlen ist.

 

Lesen Sie auch die Artikel Umsatzsteuer in China Teil 1, 2 und 4 unserer Umsatzsteuer in China Artikel Serie. In Teil 4 erfahren Sie, welche Möglichkeiten für ausländische Mutterkonzerne bestehen, Tochtergesellschaften in China finanziell zu unterstützen.

 

 Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Umsatzsteuer in China haben, zögern Sie nicht unsere Partnerin Grace Shi unter grace.shi@ecovis.com zu kontaktieren.

Unser Team bei ECOVIS Beijing freut sich darauf Ihnen helfen zu können.

 

 Grace 150x225   Grace Shi

Grace Shi ist Partner bei ECOVIS Beiing China und hat über 15 Jahre Berufserfahrung in der Wirtschaftsprüfung, Buchführung und Steuerberatung. Sie hat einen International MBA und einen US Global Fincance Master erworben. Seit 2002 ist sie in China als Steuerberaterin (Certified Taxation Agent – CTA) zugelassen. Vor ihrer Tätigkeit bei ECOVIS hat sie als Führungskraft in einem führenden internationalen Unternehmen in Peking gearbeitet und war als Chief Financial Officer (CFO) einer lokalen chinesischen Firma mit über 1000 Mitarbeitern tätig. Sie spricht  fließend Englisch und Chinesisch. Bitte zögern Sie nicht Grace Shi zu kontaktieren, um weitere Informationen zu erhalten: grace.shi@ecovis-beijing.com.

 

 

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