China: Jahrzehnte des Wirtschaftswachstums

Das chinesische BIP-Wachstum ist rückläufig. Dennoch wuchs die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal von 2019 um 6,4 Prozent. Dies ist mehr als das BIP Australiens. Reife Volkswirtschaften zeichnen sich gewöhnlich durch niedrigere Wachstumsraten aus. 1979 öffnete sich China zum ersten Mal für FDI. In den folgenden Jahren war das Investitionswachstum gering, da sich FDI auf wenige Branchen beschränkten.

2018 erhielt China FDI in Höhe von 142 Milliarden US-Dollar. Dies sind 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur die USA konnte 2018 mehr FDI als China anziehen. Ungeachtet des rückläufigen BIP-Wachstums bietet China weiterhin großes Potential. Einer der Gründe ist der Binnenmarkt mit einer Bevölkerung von 1,42 Milliarden Menschen.

China baut seine Wirtschaftskraft über die Landesgrenzen aus: Chinesische FDI in Europa erreichten 2016 mit 37,2 Mrd. EUR einen Höhepunkt. Die chinesische Regierung fördert FDI mit Projekten wie der Seidenstraßeninitiative. Hierbei handelt es sich um die Vernetzung von China mit Eurasien.

2020 tritt neues Auslandsinvestitions-Gesetz in Kraft

Seit 2015 wurde das neue Gesetz über Auslandsinvestitionen diskutiert. Der Volkskongress verabschiedete das Gesetz im März 2019. Das Gesetz soll China weiter für FDI öffnen sowie die Rechte ausländischer und chinesischer Unternehmen angleichen.

Das Gesetz soll im beschleunigten Verfahren verabschiedet worden sein, um ein Gegengewicht zum Protektionismus von US-Präsident Donald Trump zu setzen. Nach Ansicht von Trump solle China die Regeln des internationalen Handels einhalten.

Durch Inkrafttreten des Auslandsinvestitions-Gesetzes werden die drei geltenden Investitionsgesetze aufgehoben. Nach Ansicht des chinesischen Premierministers, Li Keqiang, soll dieses Gesetz „den gesetzlichen Schutz von FDI verstärken“.

Dennoch behaupten viele Kritiker, dass damit nicht das gesamte Problem gelöst wird. Das Gesetz sei zu vage und daher offen für Interpretation. Die Auswirkungen des Gesetzes blieben abzuwarten, seien aber ein Schritt in die richtige Richtung. Detaillierte Vorschriften, die voraussichtlich vor Inkrafttreten des Gesetzes erlassen werden, sollten mehr Licht in die Anwendung des Auslandsinvestitions-Gesetzes bringen.

Nicht jeder spürt die Auswirkungen des Handelskrieges

Im Mai 2019 verschärften sich die Spannungen zwischen den USA und China. Die chinesische Delegation brach ihren Besuch in Washington ab, ohne ein Abkommen geschlossen zu haben. Am 9. Mai erhöhten die USA die Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Mrd. USD. China revanchierte sich eine Woche später durch Anhebung der Zölle auf US-Importe in Höhe von 60 Mrd. USD. Diese Zölle betreffen vor allem Unternehmen, die in China produzieren und in die USA exportieren.

Weiterhin hervorragende Zeit für China-Investitionen

Die Zölle haben keine Auswirkungen auf Unternehmen, die nicht in die USA exportieren. Der Handelskrieg scheint nicht zu einer Abnahme von FDI in China zu führen. Hohes Wachstum und steigende Kaufkraft machen China weiterhin zu einem attraktiven Investitionsstandort.

Wer auf dem chinesischen Markt Produkte und Dienstleistungen vertreiben will, sollte angesichts der jüngsten wirtschaftlichen und politischen Entwicklung den Aufbau einer China-Präsenz ins Auge fassen. Die Verlagerung Ihres Unternehmens nach China bringt zwei wesentliche Vorteile: Eine Präsenz in China verringert das Risiko negativer Auswirkungen eines Handelskrieges. Vor Ort können Sie Ihre Geschäfte zudem effizienter kontrollieren.

Das häufigste Anlageinstrument bei FDI ist die Wholly Foreign Owned Enterprise (WFOE). Weitere Informationen über Gründung und Arten von WFOE finden Sie in unserem Artikel „How to set up a WFOE in China“. Vorteile gegenüber anderen Rechtsformen bestehen in größerer Handlungsfreiheit und der Entbehrlichkeit eines chinesischen Partners. Von der Lockerung der WFOE-Richtlinien profitieren ausländische Beteiligungsunternehmen besonders stark.

Mehr Volatilität, Sorgen über eine Eskalation des Handelskrieges und ein langsameres Wachstum in China könnten Investitionen in China als Risiko erscheinen lassen. Die chinesische Wirtschaft wächst mit 6 Prozent allerdings immer noch schneller als alle anderen großen Volkswirtschaften. China bleibt daher weiterhin ein heißer Tipp für deutsche KMU.

Richard Hoffmann

Richard Hoffmann ist Partner bei Ecovis Beijing China. Richard erwarb einen Abschluss in Rechtswissenschaften und arbeitete in Deutschland, den Vereinigten Staaten und China für verschiedene renommierte Anwaltskanzleien, bevor er zu Ecovis kam. Neben seiner Tätigkeit im Vorstand von Ecovis International ist er Supervisor für das China-Geschäft mehrerer renommierter deutscher Unternehmen und gibt sein umfangreiches Wissen an Studenten weiter, indem er an der SRH Hochschule Heidelberg Wirtschaftsrecht in China unterrichtet. Er hat mehr als fünfzig Artikel in internationalen Zeitschriften veröffentlicht, spricht häufig auf hochkarätigen Veranstaltungen in China und im Ausland und wird von internationalen Fernsehsendern oft als Jurist eingeladen. Kontakt: richard.hoffmann@ecovis-beijing.com

Ecovis Beijing

Ecovis Beijing ist der vertrauenswürdige Steuer- und Rechtsberater mehrerer Botschaften und offizieller Institutionen in China. Sie ist auf mittelständische internationale Unternehmen spezialisiert und konzentriert sich auf Steuer- und Rechtsberatung, Buchhaltung und Wirtschaftsprüfung. Wenn Sie mehr über Steuern und Recht erfahren möchten, melden Sie sich für unseren Newsletter an, rufen Sie uns an unter +86 10-65616609 oder kontaktieren Sie uns direkt über service@ecovis-beijing.com.