Chinas Geschäftsklima wird als herausfordernd, aber vielversprechend empfunden.

Jedes Jahr führen viele internationale Handelskammern in China Umfragen unter ihren Mitgliedern durch, um zu verstehen, wie sich Unternehmen in diesem Markt verhalten. Diese Informationen ermöglichen den Kammern, sich besser für ihre Mitgliedsunternehmen einzusetzen. Wir lesen diese Umfragen mit großem Interesse und vergleichen sie mit unseren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit internationalen Kunden, die in China Geschäfte tätigen und betreiben.

Es gibt eine Vielzahl von Fragen, auf die wir durch diese Umfragen Antworten suchen: Was sind die häufigsten Probleme, mit denen internationale Unternehmen (von denen viele KMU sind) in China konfrontiert sind? Welche dieser Themen stellen die größte Herausforderung für ihre Bemühungen dar? Beeinflusst der anhaltende Handelskrieg die Gesamtaussichten für die Geschäftsentwicklung in China?

Die Analyse umfasst fünf Stimmungsumfragen von internationalen Kammern in China. Der folgende zweiteilige Artikel enthält unsere gewonnenen Schlussfolgerungen und Erkenntnisse aus der Analyse und dem Vergleich der Daten. Die Originalumfragen stehen Ihnen auf den unten aufgeführten Links zur Verfügung.

Britische Handelskammer in Chinahttps://www.britishchamber.cn/en/advocacy-en/

Amerikanische Handelskammer in China: https://www.amchamchina.org/policy-advocacy/business-climate-survey/

Deutsche Handelswirtschaft: https://china.ahk.de/market-info/economic-data-surveys/business-confidence-survey/

Handelskammer Benelux: https://beijing.bencham.org/publication

EU-Handelskammer in China: https://www.europeanchamber.com.cn/en/publications-business-confidence-survey

Fünf Umfragen, ein Ziel: Wie läuft es bei internationalen Unternehmen in China?

Wir haben uns die Ergebnisse aus fünf verschiedenen Umfragen von Kammern in China angesehen: Diese beinhalteten die Europäische Union, Deutschland, Benelux, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich. Wie in Abbildung 1 dargestellt, war die Aufschlüsselung der Gesamtzahl der Befragten etwa gleich, wobei die meisten Antworten aus der Europäischen Union und Deutschland kamen.

Abbildung 1

Die Befragten stammen hauptsächlich aus Chinas wohlhabenden östlichen Provinzen.

Abbildung 2

Die Mehrheit der Unternehmen, die in den Umfragen ihren Standort angegeben haben, befinden sich an der ostchinesischen Küste innerhalb von Städten der ersten oder zweiten Ebene. Dies entspricht der Verteilung der Bevölkerung und der Wirtschaftsleistung in China: Die meisten ausländischen Unternehmen entscheiden sich für eine Ansiedlung an der Ostküste, einige im Mittleren Osten und der Rest im Westen und Nordosten (nördliche Region von Peking).

Wie in Abbildung 2 dargestellt, ist Shanghai der beliebteste Standort für ausländische Unternehmen zum Aufbau einer lokalen Präsenz, gefolgt von Peking und Guangdong. Jiangsu und Guangdong sind zudem hochinteressante Standorte, nicht nur weil sie in der Nähe großer internationaler Metropolen (Shanghai und Hongkong) liegen, sondern auch aufgrund der wachsenden städtischen Regionen innerhalb jeder Provinz, wie Nanjing in Jiangsu und Guangzhou in Guangdong.

Interessanterweise ist Sichuan ein beliebter Ort für Unternehmen, mit den fünftgrößten Unternehmen einer Provinz. Dies ist bemerkenswert, da Sichuan in der Regel als „westliche“ Region Chinas gilt und traditionell kein volumenstarker Standort für internationale Unternehmen ist. Die relative Popularität der Provinz dürfte auf das rasante Wachstum von Chengdu, einer Großstadt in Sichuan, als Finanz- und Technologiezentrum in China zurückzuführen sein.

 

Branchen: Produktion, Energie und Dienstleistungen machen zusammen mehr als 50 Prozent aus.

 

Abbildung 3

 

Wie bereits erwähnt, ist die Vielfalt der Wirtschaftszweige groß. Betrachtet man Abbildung 3, so sieht man, dass in den fünf Umfragen mehr als dreizehn allgemeine Branchen einbezogen wurden (einige wurden in die Kategorie „andere“ eingeordnet). Zudem lassen sich einige Subindustrien identifizieren. Es überrascht nicht, dass Produktion und Energie zwei der drei größten Branchen sind. Professionelle Dienstleistungen machen 13 Prozent der gesamten Befragten aus und stellen somit die zweitgrößte Branche dar. Professionelle Dienstleistungen umfassen den Rechts- und Buchhaltungssektor. Betrachtet man sie zusammen mit der Finanzdienstleistungsbranche (6 Prozent der Befragten), wird der Aufstieg Chinas zu einer dienstleistungs- und technologiebasierten Wirtschaft deutlich. Während dieser Wandel neue Möglichkeiten für internationale Unternehmen eröffnet, stehen viele Unternehmen bei ihren Geschäftsversuchen in China vor Herausforderungen.

Was diese Herausforderungen sind, lesen Sie im weiteren Verlauf des Artikels.

Häufige Störfaktoren: Bürokratie und Internetthemen

Abbildung 4

In Abbildung 4 wurden die Unternehmen darum gebeten, die am meisten wahrgenommenen Herausforderungen bei ihren Geschäften in China zu bewerten. Die zwei am häufigsten wahrgenommenen Probleme waren zu erwarten: 74 Prozent der befragten Unternehmen nahmen bürokratische oder administrative Probleme wahr, und 55 Prozent hatten Schwierigkeiten mit Internet- oder IP [1]-Vorschriften.

Daraufhin folgten Arbeitskräftemangel (29 Prozent), Steuer-/Finanzschwierigkeiten, Marktbarrieren (24 Prozent) sowie zunehmende chinesische Konkurrenz (18 Prozent). Insbesondere die Arbeitskosten und der Handelskrieg sind keine alltäglichen Herausforderungen, die lediglich 6-7 Prozent der Befragten spüren. (dazu gehören auch die US-Befragten).

Die allgemeine Betrachtung von Herausforderungen, ohne die Bedeutung dieser Herausforderungen im Verhältnis zueinander zu verstehen, führt jedoch zu einer etwas irreführenden Interpretation des chinesischen Geschäftsumfelds.

 

Was sich wirklich auf Unternehmen auswirkt: Chinesischer Wettbewerb und politische Herausforderungen

Auch wenn einige Probleme recht häufig auftreten, haben sie möglicherweise nicht so große Auswirkungen auf die Unternehmen, die sie erleben.

In bestimmten Umfragen wurden die Befragten gebeten, die Herausforderungen, denen sie ausgesetzt waren, nach der Bedeutung der Auswirkungen auf ihr Unternehmen zu bewerten. Unter Berücksichtigung der Bedeutung ergibt sich ein ganz anderes Bild. Das schwierigste Problem für ausländische Unternehmen in China ist die Zunahme des chinesischen Wettbewerbs. Dies bezeichnen 30 Prozent der Befragten als ihre größte Herausforderung, um auf dem chinesischen Markt erfolgreich zu sein. Ebenso unterstützt dies die Vorstellung, dass China in seiner wirtschaftlichen Entwicklung voranschreitet, da chinesische Unternehmen beginnen, Marktanteile zurückzugewinnen, die zuvor ausländischen Unternehmen gehörten.

Die nächsten vier Themen, die einen hohen Einfluss auf die Geschäfte der Befragten haben, sind alle eng mit der Regierungspolitik verbunden. Rechtliche und regulatorische Fragen werden von 25 Prozent der Befragten als Haupthindernisse wahrgenommen, gefolgt von Bürokratie/ Verwaltungsfragen (20 Prozent), Internet und IP (15 Prozent) sowie Steuer/Finanzschwierigkeiten und Marktbarrieren (9 Prozent). Zusammengefasst deuten diese beiden Trends auf das Gefühl der antwortenden Unternehmen hin, dass der chinesische Markt schwieriger zu erschließen ist, da inländische Unternehmen einen größeren Anteil übernehmen. Die Geschäftstätigkeit in China bleibt ein komplexes Unterfangen für ausländische Unternehmen, wobei regulatorische Fragen und die Regierungspolitik nach wie vor als Hindernis wahrgenommen werden.

Abschließende Gedanken aus dem ersten Teil – mehr erfahren Sie im zweiten Teil.

Aus diesem Artikel wird deutlich, welche Arten von Unternehmen auf die Umfragen der Handelskammer in China von großen internationalen Kammern reagieren und welche Herausforderungen sie auf dem chinesischen Markt wahrnehmen. Während bürokratische und administrative Herausforderungen am häufigsten auftretenden, ist jedoch die Zunahme inländischer  chinesischer Konkurrenz die am deutlichsten wahrgenommene Herausforderung. Darüber hinaus erscheint für die Befragten der Handelskrieg nicht als eine der größten Herausforderungen, auch nicht unter Einbeziehung der amerikanischen Befragten.

Im zweiten Teil dieses zweiteiligen Artikels werden wir tiefer in die Antworten der Umfrage eintauchen. Wir werden uns die wahrgenommenen allgemeinen Geschäftsaussichten in China für ausländische Unternehmen, die Auswirkungen des Handelskrieges und ein umfassenderes Bild des chinesischen Marktes für ausländische Unternehmen ansehen. Wenn Sie „Teil 2“ nicht verpassen möchten, melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.

Beiträge und Datenanalyse von David Treadwell IV.

 

Richard Hoffmann

Berater, Rechtsanwalt, Partner und Mitbegründer bei ECOVIS Beijing

 

Richard hat in Deutschland Rechtswissenschaften studiert und für verschiedene renommierte Anwaltskanzleien in Deutschland, Amerika und China gearbeitet. Neben seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied bei ECOVIS International ist er Supervisor für das China-Geschäft eines renommierten deutschen Unternehmens und gibt sein umfangreiches Wissen an Studenten weiter, indem er an der SRH Hochschule Heidelberg Wirtschaftsrecht in China unterrichtet.

Richard hat mehr als fünfzig Artikel in internationalen Zeitschriften veröffentlicht, spricht häufig auf hochkarätigen Veranstaltungen in China und im Ausland und wird oft als Jurist von internationalen Fernseh- und Radiosendern wie CCTV oder Reuters eingeladen. Er verfügt über mehr als 10 Jahre Berufserfahrung in China und bei chinesischen Unternehmen. Er spricht Deutsch, Englisch, Französisch und Chinesisch.

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